Zähneputzen mit Playbrush – Brauchen Kinder diesen Aufsatz?

Es gibt seit einiger Zeit einen Aufsatz für Zahnbürsten zum spielerischen Erlernen der richtigen Zahnpflege. Das verspricht der Hersteller von Playbrush. Wie ich das Spielzeug finde, erfahrt ihr meinem Test. Und alles unbezahlt, denn Playbrush bezahlt für manche Blogger Geld. Klar, dass hier die Hemmschwelle niedriger ist, Kritik auszuüben. Und die ist wichtig, wenn es um ein solches wichtiges Thema geht.

Und damit Kinder die richtige Zahnpflege spielerisch erlernen hat Playbrush einen Aufsatz für Zahnbürsten entwickelt, der die Richtung erkennt, in der man putzt. Verbindet man diesen Ausatz mit einem Tablet oder Smartphone können Kinder Spiele spielen und sollen dadurch die Zahnpflege erlernen und Spaß am Zähne putzen haben. Dazu gibt es vier Apps: Utoothia, Utoothia Paint, Utoothia Dance und Utoothia Sky.

Hat man eine installiert, wird man auch direkt gezwungen ein Playbrush Konto zu öffnen. Dies kann man leider nicht umgehen. Schade, denn nicht jeder möchte oder muß unbedingt ein Playbrush Account haben. Der Hersteller zwingt dies aber einem auf. Ich empfehle eine Spam-Mailadresse, wer ein Problem hat seine Daten an Hinz und Kunz zu verteilen. Ist der Schritt geschafft, kann man dem Kind ein Profil anlegen. Zur Auswahl stehen dazu zwei Bilder für das jeweilige Geschlecht und die Namenseingabe. Danach kann man schon los putzen und gegen Monster kämpfen. 

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Der USB-Anschluss verbirgt sich im inneren. Nach bereits zwei Minuten Ladezeit kann der Aufsatz genutzt werden.

Mit Playbrush putzt das Kind nicht richtig

So witzig die Animationen auch aussehen mögen, so umstritten der Effekt. Meiner Meinung nach putzen die Kinder damit einfach nicht richtig ihre Zähne. Die App zeigt oben rechts und links an, und unten rechts und links. Aber es reagiert nur wenn man auf den Zähnen putzt. Es werden weder die Innen- noch die Außenseiten berücksichtigt. Die Schneidezähne auch nur bedingt. Das putzen erfolgt völlig unstrukturiert. Die Monster kommen mal von hier und da. Die Kinder entwickeln zwar einen Spaß am Zähneputzen, aber die Zahnpflege an sich wird dem Kind nicht richtig vermittelt. 

Zudem fördert es, dass Eltern die ihre Kinder gerne vor Apps, TV, Konsole parken, sich noch weniger mit dem Kind bei diesem wichtigen Thema zu beschäftigen. Manche denken sich sie lassen das Kind spielen und es lernt das Zähneputzen dadurch von alleine. Aber dem ist nicht so. Wir als Eltern müssen dem Kind das richtige Zähneputzen beibringen. Das kann keine App. Und wäre es eine gute Ergänzung, würde ich es gut finden, aber dem Kind richtig Zähne putzen zeigen und das Spiel spielen – das beisst sich. Denn in dem Spiel Utoothia kommen die Monster aus allen Richtungen und das Kind will ja Punkte erspielen. Da ist es schwer zu sagen, das Kind müsse anders putzen als die Monster aus einer Richtung kommen. 

Geputzt wird pro Runde zwei Minuten. Viele fragen sich wieso gerade zwei Minuten. Diese Zeit ist laut Playbrush eine Vorgabe von Zahnärzten. Besser wären, wie wir aber alle wissen,  drei Minuten. Die Zeit also selbst zu definieren ist zudem nicht möglich.

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Leider passt Playbrush nicht auf eine elektrische Zahnbürste. Oder zum Glück?

Playbrush braucht man nicht

In meinen Augen braucht man Playbrush nicht. Es ist halbherzig umgesetzt und nur eine Art Bestechung, dass das Kind sich die Zähne putzt, weil es am Tablet oder Smartphone spielen darf. Der Lerneffekt ist ebenfalls fraglich. 

Versteht mich nicht falsch. Ich lehne Kinder-Apps nicht generell ab. Aber wie haben denn unsere Eltern uns das Zähneputzen schmackhaft gemacht? Sie haben sich die Zeit genommen und es uns gezeigt. Und es muss ja funktioniert haben, denn wir laufen alle nicht mit schlechten Zähnen umher. So eine App bringt also dem Kind bei was ich ihm beibringen könnte, wenn ich mir die Zeit nehmen würde. Daher käme für mich so ein halbherziges System nicht in Frage.

Denn ob es Playbrush gibt oder nicht. Es wird nicht dazu beitragen, dass weniger Menschen mit schlechten Zähnen herum laufen. Und Kinder brauchen nicht immer ein Tablet oder ein Smartphone vor der Nase um Dinge zu lernen oder um es ihnen leichter zu machen bzw. sie zu bestechen Dinge zu tun, die sie angeblich sonst nicht tun würden. 

Und laut den Amazon Bewertungen kann man sich die 30 Euro wirklich sparen. Dann lieber in ein schönes Zahnputzbuch investieren. 

Written by Jochen