Facebook-Seite teilt Kinderfotos – Die Aktivisten „Fashionistas“ im Interview

Sie sind weder pädophil, noch haben sie ein anderes Interesse an den Kinderfotos der „Opfer“. Sie wollen aufwecken, denn viel zu viele Eltern teilen die Fotos ihrer Kinder öffentlich und realisieren gar nicht, welche Gefahren im Netz dabei lauern. Einsicht kommt meist gar nicht. So wurde selbst ich beim kritisieren in einer Vater-Facebook Gruppe gesperrt. Und auch die Facebook-Seite „Fashionistas“ würden viele Eltern am liebsten gesperrt sehen. Dabei macht die alles richtig: Aufwecken durch extreme Massnahmen. In diesem Fall das teilen der öffentlichen Kinderfotos. Grund genug um mit den Aktivisten in einem Facebook-Interview zu sprechen.

Aktivisten „Fashionistas“ im Interview

Warum teilt ihr die Fotos der Kinder?

Um den Eltern die Augen zu öffnen wie schnell sie die Kontrolle über öffentliche Bilder verlieren können. Viele werfen mit ihren Infos im www wie mit Konfetti und dem wollen wir entgegen wirken in dem wir die Eltern schocken und wachrütteln.

Durch das teilen der Fotos, macht ihr nicht genau das was ihr kritisiert? Wäre es nicht besser die Eltern direkt anzuschreiben?

Wir haben anfangs versucht die Eltern privat anzuschreiben. Von 209 Nachrichten wurden 11 gelesen, 6 davon ignoriert und 3 haben uns massiv bedroht und beleidigt. Lediglich 2 Eltern waren einsichtig. Mit der Teilung haben wir da mehr Erfolg. Keiner will dass Bilder von seinen Kindern auf einer fremden Seite landen. Das bewegt die Menschen zum umdenken.

Wenn man sich die Relation zu Mamagruppen ansieht bieten wir keine wirklich grosse Auswahl an. Man nehme eine grosse Muttergruppe, klickt sich durch die Mitgliederliste und hat ein wahres Schlaraffenland an Bildern. Oder man bastel sich einen Fake, schleicht sich in eine Gruppe ein und hat täglich tausende Bilder die man sich still und heimlich runterladen kann. Ich denke genau da, in den Elterngruppen, liegt die Gefahr. Eltern fühlen sich in Gruppen sicher, geben Namen, Wohnorte etc preis und fühlen sich sicher aber sie vergessen dass man nie weiss wer wirklich hinter einem Profil steckt.

Reden wir doch mal über genau das was im Netz so lauert – den Gefahren. Welche Gefahren haben Eltern zu befürchten?

Es gab schon einige Fälle, die auch publik gemacht wurden, wo auf Rechnern von Pädophilen scheinbar harmlose Familienbilder gefunden wurden. Durch Photoshop bearbeitet und in Portalen für Pädos verbreitet. Wenn dann noch die Adresse und der Wohnort der Familien sowie Kindergarten, Schule, Freunde im Profil ersichtlich sind ist die Gefahr natürlich gross dass sich jemand dem Kind nähert.

Eine weitere Gefahr ist natürlich, dass die Bilder für jeden sichtbar sind, dh auch für Klassenkammeraden und schon wird das Töpfchenbild des kleinem Tims zum Renner in den Schulen. Seelische Qualen für das Kind sind da wohl vorprogammiert. Des weiteren verdient jedes Kind das Recht selbst zu entscheiden in welcher Form es sich im www präsentieren will.

Welche Tipps habt ihr für Eltern die unbedingt den Drang verspüren Fotos teilen zu wollen? Sollen sie es komplett lassen oder was sollten sie beachten?

Am besten wäre es natürlich schöne Erinnerungen in einem Album festzuhalten. Aber ich verstehe dass man besondere Momente mit Freunden teilen will, also sollte man unbedingt bei jedem Foto die Privatsphäreeinstellung beachten und den Personenkreis begrenzen.

Also das posten in öffentlichen oder geschlossenen Gruppen / Seiten gar nicht erst machen?

Das ist natürlich jedem selbst überassen. Ich persönlich würde nie etwas von mir im Netz preisgeben. Denn das Intetnet vergisst nie.

Man sollte immer im Hinterkopf haben dass es nicht nur „gute“ im Netz gibt und man nie weiss wer den Post alles liest. Erst denken dann klicken.

Was haltet ihr zu Eltern die sagen das ist nicht eure Aufgabe und sie könnten ihre Kinder veröffentlichen wo sie wollen? Respektieren solche Eltern die Privatsphäre ihrer Kinder?

Ich denke das Thema geht jeden was an. Wir sehen hin statt die Augen zu verschliessen. Ich denke es hat wenig mit Respekt zu tun sondern eher mit Unwissen und fehlendem Interesse.

Es wird doch auch erst ein Problem wenn es einen selbst „erwischt“.

Hopfen und Malz ist nie verloren

Würdet ihr euch wünschen dass mehr Leute zuerst denken würden oder glaubt ihr, dass hier Hopfen und Malz verloren ist? Die Leute machen immer wieder bei Fake-Gewinnspielen mit, teilen jeden Fake und teilen weiterhin die Fotos ihrer Kinder.

Was ich mir wünschen würde ist dass schon Kinder/Jugendliche in der Schule bezüglich Medienkompetenz unterrichtet werden.

Hopfen und Malz ist nie verloren, vielen ist es gar nicht bewusst wie viel sie Preis geben und fangen schnell an umzudenken. Es gibt nur wenige die es nicht verstehen und stur auf ihr „Recht“ beharren.

Glaubt ihr Facebook unternimmt zu wenig dagegen? Sollte hier mehr auch von Seiten Facebook unternommen werden? Zum Beispiel mehr Aufklärung.

Facebook lebt von den Inhalten den Leute. Wir haben schon zahllose Bilder gemeldet bei denen Genitalien der Kinder zu sehen ist, da wurde nichts unternommen. Postet aber eine erwachsene Dame ein Bild wo man einen Nippel sieht bekommt die ne Sperre

Habt ihr bereits Drohungen bekommen? Wie geht ihr damit um und habt ihr Angst vor Anzeigen? Soweit ich weiss gibt jeder ein Bild postet das Recht am Bild ab. Rechtlich dürfte eigentlich nichts passieren.

Wir leben quasi von Drohungen. Uns wird der Tod gewünscht, fiese Krankheiten die die ganze Familie betreffen. Man will uns kastrieren, lynchen und uns einige Körperteile abhacken.. Da legt man sich sehr schnell ein dickes Fell zu und nimmts mit Humor. Vorallem da ich die anfängliche Wut, Ohnmacht und Angst verstehen kann.

Rechtlich haben wir nichts zu befürchten, zumindest was das Teilen betrifft. Jedoch müssen sich alle im klare sein dass Beleidigungen, Drohungen etc kein Kavaliersdelikte sind. Da schreiten wir auch immer wieder ein und versuchen die Gemüter runter zu kühlen

Da sicher einige Eltern nach eurer Aktion die Frage brennt: Wann hört ihr auf? Wann ist eure Aufgabe beendet?

Sobald Facebook frei ist von öffentlichen Kinderbildern. Dann schliessen wir die Seite.

Also in gerechneter Zeit: Niemals.

Ein kleines Fünkchen Hoffnung bleibt.

Und damit bedanke ich mich für das Interview, finde euer Engagement wirklich sehr gut, wenn auch sicherlich von einigen kritisch beachtet und hoffe, dass ihr damit wenigstens ein paar Eltern zum umdenken bewegen könnt. Habt ihr noch ein paar Worte an die Eltern, die den Artikel lesen.

Bitte achten und wahren sie die Rechte ihrer Kinder und schützen sie sie vor gierige Blicken im www.

Dem stimme ich zu und empfehle jedem auch einen Blick auf die Facebook-Seite „Keine Kinderfotos im Social Web„. Denn wie heisst es dort so treffend: Zeigt den Kinder die Welt, nicht der Welt die Kinder. 

 

Written by Jochen