Test: Arcania The Complete Tale (PS4)

Die Gothic-Reihe hatte es mit seinen Fans nicht einfach. Nach dem verpatzten Release des dritten Teiles und den vielen Community-Patches hat es sich damals JoWood mit seinen Fans verscherzt. Mit Gothic 4: Arcania probierte man dann eine völlig eine neue Richtung. Recht machen konnte man es aber den Fans mit einem Action-Rollenspiel dann aber auch nicht. JoWood musste dicht machen und nun versuchen sich nordic games an diesen Titel erneut und bringen das Spiel samt alle Addons auf die Playstation 4. Und wie ich zugeben muss zu einem absolut ungünstigen Zeitpunkt, denn The Witcher 3 erscheint kommende Woche und so mancher Markt verkauft das Spiel sicherlich bereits diese Woche. Dafür kostet aber Arcania auch nur die 29,99 Euro und damit die Hälfte eines Vollpreis-Titels.

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Wichtiger Hinweis: Arcania ist kein Teil der Gothic Reihe (mehr)

Das Wichtigste bei Arcania ist einfach zu vergessen, dass das Spiel einst für die Gothic Reihe gedacht war. Wenn man sich vorstellt die Serie endete damals mit dem dritten Teil und Arcania ist ein völlig neues Spiel kann man ohne Vorurteile an dieses Spiel heran gehen und vielleicht auch Spaß empfinden. Wobei mir das Spiel schon damals, auch unter der Gothic-Flagge gefallen hat. Aber darum geht es hier nicht. Es geht darum, dass die meiste Nörgelei oder die Hauptargumente immer waren, dass es kein Gothic ist. Und nun ist es auch kein Gothic-Teil mehr und auch der letzte Gothic-Fan sollte wenn er es nicht mag eben nicht spielen, aber dann auch fairerweise nicht immer mit dem selben Argument schlecht reden. Wenn der einzige Grund ist, dass das Spiel schlecht ist, weil es kein Gothic-Feeling hat, dann zählt dieses Argument heute nicht mehr, da es kein Gothic-Teil mehr ist. Und ich denke mit diesem Abkoppeln sollte diese Argumentation dann auch sein Ende finden.

Lange Rede kurzer Sinn: Arcania ist kein Teil mehr der Gothic-Reihe und daher werte ich es als eigenständiges Spiel ohne Serien-Ursprung.

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Tolles Oldschool-Gefühl

Inhaltlich erleben wir hier die PC-Version. Daher gibt es keine Neuerungen, wenn man mal ausser Acht lässt, dass „Fall of Setarrif“ mit einbezogen wurde. Mit der Integration des Addons geht die Geschichte direkt nach dem Hauptteil weiter. Ich habe damals das Spiel ebenfalls getestet und war eigentlich recht zufrieden und überrascht. Natürlich hatte das Spiel mit seinen Vorgängern wenig am Hut, jedoch hat mich das Spiel damals schon überzeugt. Und auch heute ist diese Freude mit dem Produkt einfach noch vorhanden.

Okay, Grafisch ist das Spiel absolut nicht mehr Up-to-Date, wird dafür aber in FullHD und meistens mit 50-60 FPS dargestellt. Das Alles im Zusammenspiel sieht auch auf der Playstation 4 dennoch ganz gut aus. Die Steuerung mit Hilfe des Controllers funktioniert unproblematisch und die Menüs sind schnell im Zugriff. Jedoch verstehe ich nicht wieso man mit der Options-Taste das beispielsweise Inventar, die Fähigkeiten und „Handwerk“aufruft und mit dem Trackpad die Optionen. Das hätte man tauschen müssen.

Gutes Action-RPG

Bei Arcania habt ihr die Möglichkeit zwischen vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden zu wählen. Damit eignet sich das Spiel auch hervorragend für RPG-Einsteiger. Und denen wird auch bei 30 Stunden Spielzeit zu einem Preis von 30 Euro ordentlich etwas geboten. Das Preis-Leistungsverhältnis ist hier mehr als stimmig. Arcania erzählt eine Geschichte, die allerdings ihre Schwächen hat und leider keinen grossen Wiederspielwert. Dafür stimmt die Atmosphäre dank passender Musik und einigermassen guten Sprechern, die sich wirklich Mühe gegeben haben. Die Kämpfe sind interessant und je nach Schwierigkeitsgrad durchaus fordernd.

Die Welt von Arcania ist, obwohl es so aussieht nicht wirklich frei begehbar und teilweise werden gewisse Passsagen auch künstlich in die Länge gezogen.Die Höhlen sind nicht sonderlich schön und abwechslungsreich designt. Die Bewegungsanimationen (besonders das Springen) sehen teilweise echt lächerlich aus. Das mag jetzt durchaus etwas negativ klingen, dennoch macht das Spiel eine Menge Spaß. Landschaften, Gegnertypen, Waffen, Zaubereffekte und Wetter sehen echt super aus und besser als in manch anderen Spielen. Zudem gibt es praktisch kaum Ladezeiten zwischen den einzelnen Gebieten und auch das Looten geht schnell. Speichern ist jederzeit möglich – ein Luxus, den nicht viele Spiele bieten.

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Fazit

Für den Preis von nicht einmal 30 Euro bekommt ihr ein schönes Schmankerl für zwischendurch. Grafik ist natürlich nicht High-End, aber dafür ist die Performance überragend. Die Steuerung ist ebenfalls sehr gut und auch Musik und Synchro können überzeugen.

Wer Arcania also noch nicht gespielt hat und im Moment sich nicht dem Witcher-Hype hingeben möchte, kann bedenkenlos zugreifen, sollte aber in Sachen Story und Wiederspielwert nicht viel erwarten. Dennoch ist Arcania ein schönes und vor allen Dingen mit 30 Stunden langes Abenteuer zu einem wahrlich fairen Preis.

Written by Jochen